Anlässlich 200 Jahren Fahrrad auf Spendensammeltour von Mannheim nach Bosnien

Am Freitag, 1. September, um 9 Uhr ist es soweit: Dann werden sich Jonathan Sternberg und Alex Perica, zwei gebürtige Amerikaner mit großer Liebe zu Mannheim, von der „Kombüse“ in der Jungbuschstraße 23 aus mit dem Fahrrad auf den 1500 Kilometer langen Weg nach Bosnien-Herzegowina machen. Dort wollen sie in etwa 15 Tagen eintreffen und dann für Frieden fördernde Projekte in der Stadt Gornji Vakuf Spenden aus der Metropolregion Rhein-Neckar übergeben.

Um nicht mit leeren Händen dazustehen, brauchen der Koch und der Englischlehrer aber noch Unterstützung (Näheres unter www.cycleacrossborderseurope.org, der von ihnen gegründeten Initiative „Cycle across borders“) – und bauen dabei auch auf Menschen aus Mannheim und natürlich Radfahrerinnen und Radfahrer.

Ob mit einer konkreten Spende oder auch einfach nur mit dem Verbreiten der Aktion, jede Art der Unterstützung wird freudig angenommen. „Alles hilft und kommt den Menschen dort ohne Abzug zugute“, so Alex.

Die einzelnen Teilstücke, über Passau, Ungarn, Kroatien, teils der Donau entlang, sind bis zu 215 Kilometer lang und die beiden Radfreunde rechnen damit, dass sie am Tag mehr als 6000 Kilokalorien und sechs bis acht Liter Wasser brauchen werden. Vor Ort freuen sie sich über die Begleitung lokaler Radinitiativen.

Derzeit baut Alex noch in der Werkstatt von Maximillian Linn in Edingen-Neckarhausen sein Fahrrad zusammen, das ihn nach Bosnien bringen wird. Rahmen, Reifen und Sattel sind schon ausgewählt und die Vorfreude steigt. Ohnehin sind das Fahrrad und internationales Engagement für den Frieden zwei Aspekte, die gut zusammen passen. Und dass die beiden ausgerechnet kurz nach dem Geburtstag des Fahrrads vor 200 Jahren in dessen Geburtsstadt Mannheim starten, hätte sicher auch den Erfinder und Demokraten Karl Drais von Herzen gefreut.

Die Stadt Gornji Vakuf Uskoplje trägt noch viele Narben des Krieges, haben die beiden passionierten Radler, die sich beim Fahrradpolo kennengelernt haben, schon im Vorfeld ihrer Reise erfahren. Noch immer sind Gebäude zerstört und im Boden befinden sich Minen und Bomben. Die etwa 6000 Einwohner, vor allem Kroaten und Bosnier, sind durch eine Straße – und oft auch durch Misstrauen und Feindseligkeit – getrennt. Das Schulsystem ist nach ethnischer Zugehörigkeit organisiert, was das Miteinander natürlich nicht begünstigt. Auch um das zu beleben, wurde der Omladinski Centar als Jugendzentrum zu Kriegsende gegründet. Der Fokus liegt dabei vor allem auf Friedensarbeit mit Kindern und Jugendlichen durch gemeinsames Theaterspielen, Filmemachen, Sport, Kunst und Freizeitbeschäftigung, sowie das Engagement für Umweltprojekte. So ist sogar schon ein Park entstanden. Alle Projekte sind multiethnisch angelegt. Oft helfen Freiwillige aus  der ganzen Welt dabei.

Organisiert wird das von „Bridges Across Borders Bosnia“, einer Nichtregierungsorganisation, mit der Jonathan und Alex zusammenarbeiten (www.bridgesacrossborders.net). Nach ihrer Ankunft wollen sich eine kleine Radparade initiieren, die alle Teile der Stadt umfasst und kostenlose Radchecks anbieten. „Wir hoffen, dass es ein wenig gelingt, die Menschen zusammenzubringen und ihre Gemeinschaft zu stärken“, so Alex und Jonathan, „schließlich hat der Balkan lange genug wegen der Differenzen von Nationalitäten und Religionen gelitten“.

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